News & Infos

+++ 17.02.2020 +++

Sounds of Subterrania Mailorder Plattentips 07/20


Die Platte der Woche kommt von Arktis/Air aus Wien. Sounds of Subterrania empfiehlt dazu den Genuss eines Abisinthe 72 Amer.



01. Arktis/Air – en-trance (Wire Globe)
Was ein Post doch ausmachen kann. Meide ich den Jazzrock, wie der Teufel das Weihwasser, hilft der Post, mich voller himmlische Freuden zu verzücken. Ähnlich wie das The Cole Quintet (nebenbei gesagt meine absolute Lieblingsplatte von Adagio 830), schaffen Arktis/Air , Jazz, Noise und Postrock so miteinander zu paaren, daß ein völlig eigenständiger Monolith an Krach und Improvisation dir um die Ohren fliegt. Aber von Anfang an. Arktis/Air kommen aus Österreich und „en-trance“ ist das zweite Album des Sechsers. Musikalisch bewegt man sich zwischen John Zorns Painkiller und Action Beat, wobei der Jazzanteil deutlich überwiegt und durch Philipp Harnischs Altsaxophon natürlich getragen wird. Alles passt perfekt zueinander und bei jedem Durchlauf kann man andere Nuancen entdecken und Wegen der Musik folgen. Insgesamt sollten Freunde des gepflegten Noiserocks ein Auge auf Österreich werfen. Hier sind die Nuggets noch groß.



02. Bench Press – s/t (Subway Records)
Super sympathischer und dynamischer Postpunk aus Melbourne, der mit ein wenig Garage um die Ecke kommt. Mittlerweile haben sie ihr zweites Album veröffentlich, ihr erstes finde ich allerdings angenehm kantiger, da es mich stark an Craving und die alte deutsche Noiserockschule erinnert und nicht so sehr an die steifen, theatralischen britischen Kollegen. Also auf alle Fälle ein Grund für euch, mal ein Ohr zu riskieren.



03. Morgen – Morgen ( Replica)
Ursprünglich 1969 auf Probe erschienen, wurde „Morgen“ oft als das größte psychedelische Album bezeichnet, das nur wenige Menschen tatsächlich gehört haben. Dank Internet hat die Sichtbarkeit allerdings in den letzten Jahren rapide zugenommen und ist nun endlich dank Replica ebenfalls wieder auf Vinyl erhältlich. Die New Yorker Band benannte sich nach ihrem Sänger Steve Morgen und unverkennbar sind die Einflüsse von Love, den Stones oder auch den Doors. Schön ist, daß das Album nicht totproduziert wurde, so atmet aus jeder Pore und aus jedem Akkord ein unverfälschtes Gefühl der dreckigen spätsechziger Jahre.



Spotify Liste zum nachhören



Abisinthe 72 Amer
1 oz Abisinthe 72 Amer
3 oz kaltes, klares Wasser
Zuckerwürfelwürfel

+++ 31.01.2020 +++

Lubomyr Melnyk - the Creator of Continuous Music and the Prophet of the Piano on Tour in germany!

03.02.20 - Jena - Trafo - sold out
04.02.20 - Jena - Trafo - Zusatzshow
05.02.20 - Münster - Museum für Kunst und Kultur
07.02.20 - Hamburg - Elbphilharmonie
08.02.20 - Berlin - silent green - Zusatzshow 16:00 bis 17:30
08.02.20 - Berlin - silent green - sold out

Lubomyr ist ein paar Tage in Deutschland unterwegs. Ich bin mit dabei und werden Platten und Poster verkaufen.

+++ 20.01.2020 +++

Faratuben

»Mit Faratuben begrüßt Sounds of Subterrania die dritte afrikanische Band in seinen Reihen.«

Genauer gesagt sind Faratuben in Mali beheimatet und Angehörige der Bobo.
Den Bobos werden ca. 110.000 Menschen auf dem Staatsgebiet von Burkina-Faso und Mali zugeordnet und, was mir besonders sympathisch ist, das Konzept, die politische Macht in die Hände eines Einzelnen zu legen, ist den Bobo fremd. Traditionelle Bobo-Musik wird nur auf dem Balafon (trad. Westafrikanische Marimba) gespielt und war bis vor 20 Jahren eine rein akustische Musik.
Pakouene Francois Koita ergänzte dann im Jahr 2000 die Musik durch Gitarren und elektronische Verstärkung und brachte sie in die kleinen Clubs der Hauptstadt Bamako. Ebenfalls unterrichtete er seine Söhne Dieudonne (Bass, Komposition, Gitarre) und Ernest (Leadgitarre), um diesen neuen Stil zu spielen. Zusammen mit ihrem älteren Bruder, dem mehrfach preisgekrönten Balafonisten, Kassim Koita komponierten sie Songs und nahmen für Ben Zabo auf.
2015 hat Dieudonne Koita, der jüngste Bruder, bei einem Musikeraustausch neue Freunde in Dänemark gewonnen. Zufällig trafen sie sich bei während eines Projektes beim 1. Bamako Jazzfestival. Sie begannen zusammen Musik zu komponieren und gründeten 2016 die Gruppe Faratuben. Die Veröffentlichung ihre ersten beiden Singles: Pari (Frieden) und Terete (der Hochzeitstanz), die in Mali schnell Beachtung fand, folgte.
Die große Entfernung machte es der Gruppe schwer einen kontinuierlichen Workflow aufrechtzuerhalten und ein vollständiges Album zu erstellen. Nach einer fünf-monatigen Unterbrechung entschied sich der dänische Teil der Band ihre Heimat zu verlassen und dauerhaft nach Bamako zu ziehen. Dies ermöglichte es der Gruppe sich auf ihren Sound zu konzentrieren und sie begannen jede Woche, sowohl traditionelle Zeremonien, als auch Konzerte in den Nachtclubs von Bamako zu spielen.
Der Name Faratuben symbolisiert übrigens genau diese Zusammentreffen der Musiker, denn er setzt sich aus den Wörtern Farafin (schwarzer Mann) und Toubabou (weißer Mann) zusammen. Die Musik von Faratuben ist, obwohl verwurzelt, doch den Traditionen der Bobo-Dörfer entwachsen und stammt eindeutig aus diesem Jahrtausend. Sie steht so mit den vielen Synthesizern und Clubbeats für das neue Afrika.
Mit ihrem Debütalbum, Sira Kura (Neue Richtung) erzählt die Band eine Geschichte von sozialer Ungerechtigkeit in ihrer Heimat Mali, wo die Bobo-Kultur immer noch um Akzeptanz in der Gesellschaft ringt. Die Platte ist aber auch ein internationaler Aufruf, unsere Unterschiede in einer geteilten Welt zu verstehen und zu akzeptieren.
Wenn die Gruppe nicht außerhalb Afrikas tourt, führt sie weiterhin traditionelle Zeremonien in Mali durch und unterstützt andere Bobo-Künstler, wie Salome Dembele und Ben Zabo. Die Band arbeitet derzeit an ihrem nächsten Album."

Kommende Tourdaten
30.06.20 - DK - Roskilde - Festival
09.07.20 - DK - Kopenhagen - Roots and Jazz Festival
17.07.20 - DK - Syorugota, Färöer - G-Festival
18.07.20 - DK - Ringe - Rudme Festival
15.08.20 - DK - Bjert - Blue Bridge Festival

+++ 11.01.2020 +++

Sounds of Subterrania Mailorder Plattentips 02/20


Die Platte der Woche kommt von den Ton Steine Scherben aus Berlin. Sounds of Subterrania empfiehlt dazu den Genuss eines billigen Weines aus der Flasche zwecks Flasche.



01. Ton Steine Scherben - Gesamtwerk LP-Box (David Volksmund)
Man muss nicht wiederholen, was eh jeder weiß. Ton Steine Scherben spielten den Soundtrack zur Revolte und die Sprache von Rio war klar und direkt. In dieser Box sind nun alle 5 Alben auf 8 LPs verteilt und sollte man nicht die hohen Preise für die Originale zahlen wollen, eine gute Gelegenheit, sich den Katalog zuzulegen. Anbei gibt es noch ein dickes Buch mit Flyern und Infos. Was will man mehr.



02. African Connection- Queens und Kings LP (Sounds of Subterrania)
Ich wollte eigentlich nicht so viel von meinen eigenen Veröffentlichungen posten, aber heute ist die Beerdigung von Frank "CC YOYO" Ankrah, Schlagzeuger von African Connection . Er spielte mit Fela Kuti in den 80er Jahren und war Student von Tony Allen. Sein Tod geht mir nah, obwohl ich Frank nur einmal traf. Das Ende seines Lebens verbrachte Frank obdachlos in Accra und es gab eigentlich keine Möglichkeit, ihm zu helfen. Musikalisch mag ich sein Spiel, vielmehr die Leichtigkeit seines Drummings. Er hat damit viel zur Vielseitigkeit dieser Platte, die Highlife, Funk, Afrobeat, Rock'n'Roll und westafrikanische Traditionen miteinander verbindet, beigetragen.



03. Negative Gears – s/t LP (Static Shock)
Eigentlich nur eine MiniLP, aber diese hat es in sich. Negative Gears aus Sydney schruppen ihren rauen Postpunk einfach aus dem Handgelenk runter und verzichten dabei auf unnötige Spielereien. Die so entstehende aggressive Grundstimmung passt dann natürlich perfekt zu den Texten. Hauptangriffspunkt ist hier die organisierte Religion und der tausendfach stattfindende Machtmissbrauch. Schöner kann Religionskritik nicht klingen.

+++ 28.12.2019 +++

Sounds of Subterrania Mailorder Plattentips 52/19


Die Platte der Woche kommt von den Chacalon Y La Nueva Crema aus Lima. Sounds of Subterrania empfiehlt dazu den Genuss eines veganen Honey and Smoke.



01. Chacalon Y La Nueva Crema – s/t (Magnetica)
Lorenzo Palacios Quispe, genannt Chacalón, ist ein Mythos. Geboren am 26.4.1950 in Lima, wuchs er in sehr armen Verhältnissen auf. Seinen Vater, einen Tänzer, lernte er nie kennen. Seine Mutter, eine Sängerin, zog ihn mit seinen 14 Halbgeschwistern auf. Bedingt durch Armut und den Alkoholismus seiner Mutter verdingte Chacalón sich bereits als Kind als Straßenhändler und lebte von Diebstählen. Mit 15 gründete er seine erste Band „Indios Quechuas“ und arbeite als Gehilfe eines Schuhmachers. Die Musik, die in den Stadtvierteln und Slums von Lima gespielt wurde, war Chicha. Chicha, oder auch Cumbia Andina, ist eine urbane Fusion der kolumbanischen Cumbia der Küste mit dem indianischen Wayno aus dem Andenhochland. Ein Sänger wird von E-Gitarren, Bass, Keyboard oder Synthesizer begleitet und von karibischen Perkussionsinstrumenten wie Bongos und Timbales und mit einer Kuhglocke rhythmisch unterstützt. Die Hauptanforderung, um dieses Musikgenre zu singen, war ein kräftiger Brustkorb, und der junge Lorenzo schien die nötige Lungenkapazität für "Guapeos" zu haben, donnernde Stimmschläge, die das Genre forderte.
Doch zu den Texten. Chicha entwickelte sich als eine Art pan-andines Musikgefühl durch die Suche nach einer gemeinsamen Musik/Ausdrucksform durch die vom Land herbeigezogenen Arbeitsmigranten. Dieses spiegelt sich auch in den Formulierungen wieder, welche nicht so abstrakt wie die der früheren linken Folkloregruppen waren, sondern konkret über die Schwierigkeiten und Probleme der abgewanderten Bauern (campesinos), die in den Slums von Lima und anderen größeren Städten Perus mit Arbeitslosigkeit, Hunger und Elend konfrontiert waren, erzählten.
Chacalón, war einer der radikalsten Poeten dieser Bewegung. Er sang über Schmerz, Alkohol und Verrat, aber auch über Solidarität, Liebe und Hoffnung. Chacalon sang für den am stärksten ausgegrenzten Teil der Gesellschaft, das Lumpenproletariat, und nicht für die Mittelschicht oder die Reichen. Er sah keine Unterschiede zwischen denjenigen, die sich an das Gesetz hielten und denen, die es übertraten, weil das Überleben im entfesselnden Kapitalismus die einzige Regel ist und die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen und anders verlaufen. Diese kompromisslose Haltung schuf den Mythos Chacalón und noch heute jedes Jahr an seinem Geburtstag wird sein Grab zu einem Wallfahrtsort, an dem ergebene Anhänger beten, Wünsche äußern und Wunder erbitten, singen, trinken, tanzen und grillen.



02. Sex on the Beach - Power (Noise Appeal)
Sex On The Beach – “die beste Band Österreichs, mit dem schlechtesten Namen weltweit” schrieb einstmals, genaugenommen 2012, Musicaustria und diesem kann ich fast vollständig zustimmen, zumindest sind sie in meinen Top 5 aller österreichischen Bands vertreten. Nun denn, das Lineup bestehend aus zwei Gitarren, zwei Drum-Sets und einem Keyboard, vereint räudigen Rock genauso wie schräge Elektronik, Sludge genauso wie „Post-Rock“, und was entsteht, ist tanzbar wie auch in höchstem Maße hypnotisch und fesselnd. Sex on the Beach existieren leider nicht mehr. Sie waren beheimatet bei Noise Appeal, welche ein sehr, sehr gutes Händchen für genau diese Spielart moderner Rockmusik haben. Leider verhinderte der Aufstieg der reaktionären austro-nationalen Musikszene, daß sich das europäische Augenmerk genau diesen spannenden Bands zuwendete. Also riskiert mal ein Ohr bei Sex on the Beach und den anderen Noise Appeal Bands, es lohnt sehr.



03. Holiday Fun Club – s/t (Sounds of Subterrania)
Ich habe die Platte über die Feiertage mal wieder hervorgekramt und muss sagen, daß ich Holiday Fun Club nach wie vor für die beste aller Post-Postpunk-Bands halte. Die Songs erinnern eben nicht nur an Joy Division, sondern und das ist eben das spannende, vielmehr an Modern English, Bauhaus, Killing Joke, Gang of Four, Wire etc. Natürlich mit sehr viel mehr Drive als die erste Generation aufbringen wollte und auch viel hemmungsloser, nihilistischer, rücksichtsloser vorgetragen und damit eben auch mit einer ganz eigenen Note. Irgendwie hat der Sound teilweise auch was von gitarrendominiertem, kaputtem EBM. Schade, daß die Band ihrer Zeit voraus war und der erneute Boom solcher Postmusik erst später einsetzte.



Honey and Smoke Vegan
3cl Mezcal
3/4 Limette
1 Esslöffel Agavendicksaft
100 ml Ingwerbier

+++ 22.12.2019 +++

Sounds of Subterrania Mailorder Plattentips 51/19

Die Platte der Woche kommt von den Biting Tongues aus Manchester. Sounds of Subterrania empfiehlt dazu den Genuss eines Gurkengeist-Tonic mit Paprika Salz Rand.



01. Biting Tongues - Live It LP (Finders Keepers / Cache Cache)
Was für eine Knaller Platte! Ursprünglich sind diese Aufnahmen 1981 auf dem The Buzzcocks Label New Hormones auf Tape erschienen und dank Doug Shipton der Vergessenheit entrissen und jetzt endlich auch auf Vinyl erhältlich. Im Gegensatz zu den neueren Veröffentlichungen geht es auf Live it härter zu Sache und das gibt dieser gesamten Post-Punk Mischung einfach noch einen besseren Dreh. Wenn ich sie Leuten beschreiben sollte, die sich nicht so mit den Feinheiten innerhalb der Musik auskennen, würde ich schreiben poetischer Groove mit Störgeräuchen.
Ich weiß gar nicht wie ich es sagen soll, die Platte hatte mich vom ersten Moment an gefesselt, das Zusammenspiel zwischen Schlagzeug, Bass, Gitarre, Trompete und Saxophon ist einfach perfekt, dazu dann noch die stakkatohaften Texte, wie sie vielleicht nur Engländer hinbekommen. Also ich würde sofort sagen, daß diese Platte in den Top 5 aller Postpunk Releases anzusiedeln ist und bleibt zu hoffen, daß der Brexit in England wieder solche Bands hervorbringt. Absolute Kaufempfehlung!



02. Hexdebt - Rule of Four LP (Poison City)
Rule of Four ist das Debüt dieses Vierers aus Melbourne. Hätte ich mich nicht etwas mit dem Label beschäftigt, wäre diese Platte wohl an mir vorübergezogen. Grund dafür ist das überaus schlechte Artwork. Schlechten Geschmack beweisen die vier Frauen übrigens auch bei ihrer Schuhauswahl, aber was soll’s, Schuhe machen keine Musik und was da in Vinyl gepresst wurde entschädigt mich mehr als genug. Beim ersten Durchlauf kommen mir spontan technisch versierteren Bikini Kill in den Sinn und je öfter die Platte lief, umso mehr verfestigte sich bei mir dieser Gedanke. Komplex, laut, wütend - schön, daß es 2019 nicht nur noch trantutigen Riot Girl Punk gibt.



03. The Manikins - Bad Times LP (Secret Identity)
11 Jahre hat es gebraucht, eh sich die Schweden wieder zusammengefunden haben, um den Nachfolger von Crocodiles aufzunehmen. The Manikins waren mit ihrem krachigen Powerpop/Garagenpunk für mich immer eine typische P.Trash Band und diese gute Mischung aus Hives und Jay Retard zeichnet auch Bad Times aus. Nichts neues, aber eine Platte, die Spass macht, wenn sie läuft. Hoffen wir mal, daß sie beim nächsten Get Lost Festival in Hamburg spielen werden.



Gurkengeist-Tonic mit Chili Rand
4cl Faude Feine Brände Gurkengeist
200ml gutes Tonic Water
Paprika Salz Rand

+++ 08.12.2019 +++

Sounds of Subterrania Mailorder Plattentips 49/19


Die Platte der Woche kommt von Der Moderne Man aus Hannover. Sounds of Subterrania empfiehlt dazu den Genuss eines Leichtmatrosen.



01. Der Moderne Man - Unmodern LP (Rockers)
Wiederauflage der zweiten Der Moderne Man LP von 1982 mit dem Bonustracks der Sandman Single. Für mich ist Der Moderne Man der Meilenstein früher deutscher Punkmusik und der Neuen Deutschen Welle. Ich hatte das Glück, vor Jahren die Originalplatten für wenig Geld zu kaufen und seit dem haben sie etliche Kilometer auf meinen Plattenspieler zurückgelegt. Der Sound ist sperrig und eingängig zu gleich und ebnete mir damit auch das Verständnis für die Noiserock und improvisierte Musik. Wie der passende Drink bereits verrät, würde ich als Song der Platte „Blaue Matrosen“ empfehlen.



02. Gideon Nxumalo – Jazz Fantasia LP (Mad About Records)
Wahrscheinlich die seltenste südafrikanischen Jazz Veröffentlichung. Zusammen mit Chris McGregor hat Gideon Nxumalo Pionierarbeit für den südafrikanischen Jazz-Sound vor dem Exil geleistet. Sein Album "Jazz Fantasia" von 1962 gilt weithin als die wegweisende südafrikanische Jazzplatte. Auf der Platte standen die legendären Jazz-Altisten Kippie Moeketsi und ein sehr junger Dudu Pukwana zur Seite. Dudu Pukwana begeistert durch sein Albert Ayler nicht unähnlichem Saxophonspiel. Das Album wurde im September 1962 in der Großen Halle der Wits University aufgenommen. Es wurde von der Universität im Rahmen eines Kunstfestivals in Auftrag gegeben.



03. V/A – Louisville in the 60s (Out-Sider)
Diese Platte ist einfach der Hammer. 14 Tracks aus der Garage-Psych-Szene der späten 60er / frühen 70er Jahre in Louisville. Alle Stücke, mit Ausnahme eines, welches sich ursprünglich auf einer seltenen 45er befand, sind unveröffentlicht. Die Aufnahmen wurden im Archiv des bekannten Allen-Martin-Studios der Stadt gefunden, nachdem sich die Eigentümer zurückgezogen und das Studio geschlossen hatten. Und was man hört, ist so brillant und gut, daß man sich fragt, warum niemand es früher veröffentlichen wollte. Mit dieser Platte haben Guerssen unter Beweis gestellt, daß sie zu den führenden Reissue-Labels der Welt gehören. Absoluter Tip für alle 60s Fans!



Leichtmatrose
2cl Zitronensaft
2 cL Rose’s Lime Juice
1 BL Puderzucker
Dash Zuckersirup
3 cl Rum weiß
2 cl Rum braun
1/8 Limette
Crushed Ice

+++ 28.11.2019 +++

| raum |

Vielleicht eine der interessantesten Galerien in Hamburg ist in der Hafencity, genauergenommen in derShanghaiallee 18 , beheimatet. Carolin Balas Pavisic betreibt dort | raum |, ein Off Space für moderne Kunst. Der brutalistisch anmutende Raum beherbergt "Art in all its forms" und verbindet damit bildende Kunst mit Performace Art und Konzerten.
Vom 01.12.19 bis zum 18.01.20 startet Carolin ein neues Projekt namens Kunst- und Warenhandel. Die Idee ist dabei, kleine Manufakturen und Künstler/innen mit einem hohen künstlerischen Anspruch zu präsentieren und miteinander zu verbinden. Neben ATELIER SANKALPA (Möbelstücke / Malerei), LA PHILIE (Porzellan / Gemälde), MATTEO BAUER BORNEMANN (Skulpturen / Vasen), FABIAN DEHI (Objekte), ISABELL KAMP (Keramik / Skulpturen) und PROJECT AUTARK (Textilstücke) ist auch SOUNDS OF SUBTERRANIA mit ausgewählten Tonträgern am Start. Passend zum Raum werde ich nicht nur eigene Tonträger präsentieren, sondern auch den dystopischen Retrowave des österreichischen Labels ELECTRONIC PURIFICATION vorstellen. Die Schallplatten dieses Labels sind zumeist auf 100 bis 200 Stück limitiert und bilden meiner Meinung nach den perfekten Kontrapunkt zum weihnachtlichen Geschehen.
Ich selbst werde am 1. Dezember ab 16 Uhr persönlich anwesend sein, also wer auf der Suche nach dem perfekten Geschenk ist oder einfach nur Lust auf ein Gespräch hat, mag einfach vorbeikommen.

Raum Hamburg
Shanghaiallee 18
20457 Hamburg

Öffnungszeiten:
1. / 5.-8. / 12.-15. / 19.-23. / 28.-29. Dezember
2.-5. / 9.-12. / 16.-18. Januar
16:00 bis 19:00 Uhr

+++ 10.08.2019 +++

Lubomyr Melnyk - Pianist Lubomyr Melnyk is playing the world's largest vertical piano.

This is probably the largest concert piano in the world, and you have to climb a steep flight of metal stairs to play it.
Ventspils, Latvia, Aug. 4 (Xinhua) -- A concert grand piano boasting up to 5-meter-long strings was unveiled to the public in a new concert hall in Ventspils, a port city in western Latvia.
The giant instrument, believed to be the world's largest vertical concert piano, was made by piano builder David Klavins. The record-breaking piano is 4,7 meters tall and pianists have to walk up a steep staircase to reach the keys. It has stronger bass line and length of the strings creates much longer sound sustainability, according to Klavins.

+++ 02.07.2019 +++

Bibi Ahmed - Solo Recordings

Bibi Ahmed, Kopf und Bandleader von Group Inerane, stammt aus Agadez (Niger), eine der unbändigsten, unbeständigsten und gefährlichsten Gegenden dieser Erde. Früh wurde Bibi mit der Unterdrückung und Ausgrenzung der Tuareg durch die nationalen Regierungen von Mali und Niger konfrontiert. Ebenso früh erwachte seine Liebe zur Musik. Als Kind brachte sich Bibi Ahmed das Gitarre spielen selbst bei, bevor er seine Ausbildung von dem großen Meister und Vater des Tuareg-Blues, Abdallah Ag Oumbadougou, erhielt. Geprägt durch die Erlebnisse in den lybischen Flüchlingscamps während des Tuareg Aufstandes, verlieh Bibi Ahmed mit seiner Band Group Inerane der Rebellion eine eigene, musikalische Stimme und öffnete gleichzeitig die reiche Tradition der Tamachek-Gitarrensänge einer neue Generation Zuhörern. Im Februar lud Sounds of Subterrania Bibi zu Soloaufnahmen ins Lotte Lindenberg Studio in Frankfurt am Main ein um gemeinsam mit Wolfgang Johann und Farid Ayoub seine Version von Tuareg Blues, elektrifizierte Tamachek Folk und Psychedelic Sahara-Rock aufzunehmen.

+++ 02.02.2020 +++

Sounds of Subterrania Mailorder Plattentips 05/20


Die Platte der Woche kommt von Tommy Ray! aus Portland. Sounds of Subterrania empfiehlt dazu den Genuss eines Daiquiri.



Tommy Ray! - First Hits Free (Grüße aus der Mülltone)
Gute Popsongs zu schreiben ist eine Kunst. Man braucht vor allem ein gehöriges Maß an Leichtigkeit und auch eine gewisse Liebe zum Leben dazu. Beides ist mir oftmals zutiefst fremd und umso mehr lechze ich nach Songs und Kunst die mir helfen, die oftmals grauenhafte Wirklichkeit zu überstehen. Und soviel sei schon einmal verraten, ab sofort wird Tommy Ray ein treuer Begleiter meines Plattenspielers werden. Tommy Ray, Kopf von The Cry, veröffentlicht nach zwei Alben mit The Cry! mit „First Hits Free“ seine erste Soloplatte und wenn man es nicht wüßte, würde man glauben, es ist eine dieser verschwundenen Perlen der siebziger Jahre, die irgendwann wieder auftauchen und die gesamte Presse in Begeisterungsstürme versetzen. Leider ist die Welt ungerecht und die Presse wird sich höchstwahrscheinlich zwecks Mangels eines großen Labels einen feuchten Kehricht um diese wirklich herausragende Platte zwischen Powerpop und Glamrock, scheren. Ich verachte sie zutiefst dafür. Nun denn, bitte hört hier rein, denn ich glaube Tommy ist neben Paul von M.O.T.O. einer der letzten großen Schreiber und Interpreten von perfekten Popsongs!



02. Prune Deer – Insufficent Postage ( Specific)
So richtig viel findet man nicht über Prune Deer heraus. Kein Wunder, sind doch die meisten Besprechungen in Mandarin verfasst, womit sich auch der Herkunftsort des Hong Konger Instrumental Vierers erahnen lässt. Ihr Postrock ist angenehm trashig und nicht so pedantisch ausgefeilt wie bei Mono. Genau dadurch entsteht aber beim Hören eine angenehme Nahbarkeit zu den Songs und somit auch zur Band. Auf ihrer ersten Platte, die außerhalb von Hong Kong erschien und auf 300 limitiert ist, finden sich 7 Songs. Daß da noch mehr schlummert, lässt „Return“ Song Nr. 3 erahnen, der in einer Kooperation mit der japanischen Musikerin Haru Nemuri entstanden ist und die Stimme als 5tes gleichgestelltes Instrument einführt.



03. Bibi Den’s Tshibayi - Sensible ( Pharaway Sounds/ Guerssen)
1983, nach einem Konzert in Abidjan, Elfenbeinküste wurde der kongolesische Musiker Bibi Den Thibayi eingeladen, eine Platte mit seiner Band The Best aufzunehmen. Heraus kam diese großartige Mischung aus Zouk, Afro-Funk und Boogie, natürlich unterlegt mit diesen damals angesagten grässlich-typischen 80er Jahren Synthesizersounds. Der aber zum Glück gekonnt von den afro-karibischen Rhythmen umspielt und somit neutralisiert wird. Das Album wurde ursprünglich als kleine Privatpressung in der Elfenbeinküste veröffentlicht, bevor es dann kurze Zeit später ebenfalls in Frankreich gepresst wurde.



Daiquiri
12 cl Weißer Rum
6 cl Limettensaft
3 cl Falernum
Eiswürfel



Spotify Liste zum nachhören

+++ 26.01.2020 +++

Sounds of Subterrania Mailorder Plattentips 04/2020


Die Platte der Woche kommt von Far Out aus Tokio. Sounds of Subterrania empfiehlt dazu den Genuss eines Dark and Stormy.



01. Far Out – Nihonjin (Everland)
Es gibt Platten, die sind einfach perfekt für einen Sonntagnachmittag. Far Out gründeten sich 1971 und Nihonjin, was soviel wie japanisch bedeutet, erschien dann zwei Jahre später auf Denon. Für das Original kann man schon mal eine vierstellige Summe zahlen, so daß hier ein Reissue, zumal die Original Masterbänder verwendet wurden, natürlich Sinn macht. 2 Tracks enthält die LP. Wobei „too many people“ mit 17:55 Minuten und „Nihonjin“ mit 19:52 zu Buche schlägt.
Aus dem Nichts entführen die 4 Japaner den Hörer langsam Schritt für Schritt ins All(es). Im Gegensatz zu den meisten Alben aus der damaligen Zeit ist nichts überladen, sondern nimmt sich dezent zurück. Nihonjin verknüpft fast beiläufig und auf faszinierender Art traditionelle japanische Elemente mit diesem wirklich wunderbaren Psych-Progrock. Selbst wer langes „Gitarrengefiedel“ nicht mag, sollte dem hypnotisierenden Sound der vier Multiinstrumentalisten etwas abgewinnen können. Eine wirkliche herausragende Platte.



02. The John-Pauls – Forget to remember to forget (Aagoo)
Wer hätte es gedacht, aber auch die zweite Platte ist perfekt für einen Sonntag geeignet. Diese von Postpunk durchzogene Indiefolk Scheibe gehört definitiv dazu. Vielleicht ist es das fragile Duett von Philipp und Mikila, was die sonntägliche Lethargie perfekt widerspiegeln vermag, vielleicht auch die minimalistische, scheppernde Instrumentalisierung. Die Songs sind zerbrechlich, aber nicht kraftlos. Irgendwie wirkt alles schief und ist doch genau auf den Punkt gebracht. Es erinnert mich dadurch auch stark an meine Anfangstage in Kassel und die ersten Konzerte im Haus. Ich mag diese Form von Indiemusik, da sie nach Vollkommenheit und nicht nach Größe strebt.



03. Chubby and The Gang - Speed Kills (Static Shock)
Im Presseinfo steht irgendwas von Motörhead und das kann ich nicht im Ansatz nachvollziehen. Vielmehr höre ich hier Punk alter Schule mit ner Prise Oi und Garage. Nichts neues also, aber clever gespielt. Man wünscht sich wirklich ein Bier in die Hand und dann direkt vor die Bühne der vier Engländer. Da die 12 Stücke nicht nur durchgeballert werden, sondern sich ab und zu auch ein humorvoll-kitschiges Liedchen oder ein dezentes Hardcoreriff versteckt, macht es die Platte insgesamt abwechslungsreich und spannend.



Dark and Stormy
2 oz dunkler Rum
1 oz Frischer Limettensaft
Eiswürfel



Spotify Liste zum nachhören

+++ 19.01.2020 +++

Sounds of Subterrania Mailorder Plattentips 03/20


Die Platte der Woche ist die belgische Compilation „Funky Chimes: Belgian Grooves From The 70's Vol. 1“ Sounds of Subterrania empfiehlt dazu den Genuss eines Faded Lady.



01. V/A - Funky Chimes: Belgian Grooves From The 70's Vol. 1 DoLP (Sdban)
Das Berufsbild des Studiomusikers ähnelt sehr dem Berufsbild des Labelmachers. Feedback gibt es nur wenn du es verhaust, ansonsten nimmt niemand kaum wirklich jemand deinen Job war. Als Studiomusiker spielst du dann halt, was von Dir gefordert wird und das ist es dann auch halt. Daß aber extrem viel Potential in den einzelnen Protagonisten stecken kann, beweist diese Compilation-Reihe mit Perlen aus der belgische Dance / Groove-Szene aus den frühen 1970'ern, angesiedelt zwischen den Orchestern der 1960'er und der elektronischen Revolution der Spät-1970'/1980'er.
Dieses Gespür für Groove, der den Ohren schmeichelt, mit dem gleichzeitig Faible für jazzige Improvisation, die das Hirn ansprechen, ist genau das, was heute vielen Produktionen fehlt. Irgendwie erinnert die Reihe mich an Wolfgang Beltracchi, geborener Fischer, dessen Werk sich eben auch aus der Kopie emanzipiert hat, um so eine neue Form und einen neuen Ausdruck zu findet.



02. Party Diktator / Snob Club –Split LP (Kollektive Halluzination)
Es freut mich sehr, daß ich ein paar von dieser auf 200 limitierten Scheibe für den Mailorder abbekommen habe. Diese Split verbindet mit 5 Stücken die alte deutschen Noiserockschule mit der altgewordenen. Bezugspunkt und damit verbindendes Glied ist Matthias Weishoff, der bei beiden Bands den Bass drangsaliert und zudem noch als Person hinter dem Label Kollektive Halluzination steckt. Nebenbeigedanke: Daß Noiserock schlechthin an Relevanz verloren hat, beweist der Altersdurchschnitt beim Black Midi Konzert der gefühlt bei Ü50 lag. Daß trotzdem diese Relevanz existiert, beweist das Interesse junger Musiker am Krach. Party Diktator und Snob Club haben genau dafür den Weg geebnet, bleibt es an der Jugend, keinen Hipsterwitz daraus werden zu lassen.



03. Abriss – Dachlattenkult LP (Spastic Fantastic)
Die Begeisterung für Metal in der heutigen Punkszene kann ich weder nachvollziehen, noch teilen. Umso erfreulicher, wenn man auf Hardcorepunk Platten stößt, die eben nicht diesem Zeitgeist zum Opfer gefallen sind. Abriss prügeln sich durch 19 Stücke, 9 davon unter 2 Minuten, die anderen 10 werden sogar unter 1 Minute rausgerotzt, daß es eine wahre Pracht ist. Man hört die Liebe zu dem Sound der Vorkriegsjugend oder der Boskops und weiß genau, daß das Betreten der Tanzfläche nur ohne Brille erfolgen sollte.



Faded Lady
4 oz Tequila
3 oz japanischer Whiskey
1 oz Contreau
2 oz Tepache
Dash Curagao
4 oz Orangensaft
Crunchy Rim Haselnuss/Krokant

+++ 06.01.2020 +++

Gewalt

»GEWALT - NACHPRESSUNG EINGETROFFEN«

Doch ich halt Dinge verborgen
Tief im Dunkeln
Verschüttet, begraben
Im Schutze des Schmutzes

Sagenhafte 9 Monate hat die Nachpressung dieser Platte gedauert, doch was lange währt wird endlich existent.

Shoplink >>>
Gewalt - Limiter / Verheimlichung

+++ 23.12.2019 +++

African Connection

Sounds of Subterrania just got the news that Frank "CC YoYo" Ankrah, drummer for African Connection and former drummer for Fela Kuti, passed away on December 15th. I only met Frank once and only once had the chance to listen to his drums live.
The attempt to bring African Connection and therefore Frank to Europe for more concerts failed due to the racist policies of the European Union.
My thoughts are with his friends, his fellow musicians and his family. I will remember his music and his laughter.

Thanks Frank for your music!

+++ 15.12.2019 +++

Sounds of Subterrania Mailorder Plattentips 50/19


Die Platte der Woche kommt von Contractions aus Lyon. Sounds of Subterrania empfiehlt dazu den Genuss eines Vermouth Rojo.



Contractions - Demain Est Annulé LP (Adagio 830)
Als mir Robert von Adagio 830 erzählte, daß die Leute von Daitro und Baton Rouge eine neue Band haben, war ich erst einmal sehr gespannt. Zum einen, weil ich denke, daß jeder, der im Ansatz auf modernen Emo steht, die Platten dieser beiden Bands sein eigen nennen sollte. Zum anderen, weil Robert meinte, sie spielen jetzt Garagenpunk. Begriffe wie Emo und Garagenpunk sind ein weites Feld und mittlerweile gibt es sehr viele Definitionen, über die sich trefflich streiten lässt. Nun denn, die Platte kam und um es kurz zu halten, ja diese Platte enthält Spuren von Garagenpunk. Diese Spurenhaftigkeit wäre enttäuschend, wenn nicht andere Zutaten die eigentliche Qualität dieser Platte auszeichnen. Ich höre eine Mischung aus Hot Snakes, War on Drugs und frühe Get Up Kids aus den Rillen fließen und das so geschickt gesetzt, daß obwohl die Songs minimalistisch gehalten sind, es an keiner Stelle langweilig wird. Wer sich ein bisschen mit meinen Definitionen von Musik auskennt, weiß nun, daß er es hier mit einer wirklich gute Indierockband zu tun hat, die eben nicht auf die großen Hallen, sondern auf die dreckigen Konzertkeller schielt. Bleibt als Abschluss zu sagen, daß ich mich freuen würde, mal ein Konzert des französischen Vierers zu sehen.



02. Dom Salvador e Aboliçao ‎– Som, Sangue e Raça LP (Mad About Records)
Und wieder hat es eine Platte von Mad About Records auf Platz 2 der Wochenliste geschafft. 1971 erschienen, verschmilzt dieses Album Samba, Soul, Jazz und Funk mit weiteren brasilianischen Klängen. Alles ist sehr poppig und daß ein paar Passagen auch stark an die The Les Humphries Singers, erinnern, sollte der Hörfreude nicht im Wege stehen.



03. Miami Nights 84 – Turbulence LP ( Electronic Purification)
Electronic Purification darf man getrost als das Non Plus Ultra Label der weltweiten Retro Wave Szene bezeichnen. Ohne ihre Arbeit würden es viele Releases es nicht über den rein digitalen Status hinaus schaffen. Nicht nur, daß alle Releases aufwendig gestaltet sind, die Österreicher haben auch ein gutes Händchen für den passenden Sound. Miami Nights 84 aka Mike Glover aus Kanada hat „Turbulence“ bereits 2012 digital auf seinem eigenen Label veröffentlicht und gilt als einer der Initiatoren des Sounds, der Filmen und Serien wie Kung Fury und Stranger Things erst ihre eigentliche kulturelle Ästhetik gibt.



Vermouth
Halbtrockener roter Vermouth spannischer Herkunft auf Eis.

+++ 30.11.2019 +++

Sounds of Subterrania Mailorder Plattentips 48/19


Die Platte der Woche kommt von der AddisAbabaBand aus Aarhus. Sounds of Subterrania empfiehlt dazu den Genuss eines Fireman’s Sour.



001. AddisAbabaBand - II LP (selfreleased)
Das 14-köpfiges Orchester hat sich 2010 in Aarhus gegründet und hat mich mit ihrer extrem jazzig-swingene Afrobeatversion vom ersten Ton an überzeugt. Die Eckpfeiler ihres Sounds bestehen aus Free Jazz, Psychedelic Rock, Funk und traditionelle Afrogrooves. Diese Eckpfeiler gepaart mit dem extrem hohen technische Können der einzelnen Musiker gestallten das Album extrem vielschichtig und abwechslungsreich und so gibt es weit mehr zu entdecken als den Sound ihrer Vorbilder Fela Kuti und Ebo Taylor.



02. V/A - The Love You Save: American Soul Music 1955 To 1972 DoLP (Cairo)
Limitierte Nachauflage dieser begehrten Soul und Funk Zusammenstellung. Allein für "Bad Girl, Part One Two" von Lee Moses lohnt der Kauf.



03. Caso - Ad Ogni Buca LP ( Wild Honey)
Leider bin ich der italienischen Sprache nicht mächtig, aber sei es drum, passend zur Jahreszeit strömt dieser wunderschöne Indierock aus den Boxen. Die Instrumente halten sich dezent im Hintergrund, sodaß der Gesang noch besser zur Geltung kommt. Gute Platte, wenn Freunde da sind oder man alleine im Auto sitzt.



Fireman’s Sour
Limettensaft
1 BL Puderzucker
Dash Grenadine
4 cl Rum weiß
1 cl Rum braun
Limette
Crushed Ice
Eiswürfel

+++ 18.08.2019 +++

Columbian Neckties - 20 years

Ich erinnere mich noch genau an die ersten Fahrten. Bus ausleihen, 780 km auf der E45/A7 auf nach Norden. Ein Stop zum Tanken an der Raststätte "Hüttenberger Berge Ost". Weiter gefahren. Bei Simon dem alten und neuen Bassisten der Neckties geschlafen und zurück nach Deutschland zum Touren. Letzte Show zumeist in Holland gehabt. Nach dem Auftritt los, im Auto geschlafen und früh zurück nach Kassel um den Bus abzugeben.

Auf der Tour zumeist gefahren, Jeppe immer als Beifahrer an der Seite, der Rest schlief. Henrik war fürs Einladen zuständig. Irgendwann schließen sich alle Kreise. Letztes Jahr wurde Sounds of Subterrania 20 Jahre alt, dieses Jahr werden es die Columbian Neckties. Also was gibt besseres als das Ganze mit einem kleinen Festival zu feiern. Also Stifte rausgeholt und notiert: 23./24. August 2019 1000Fryd / Aalborg - Why changed your moves? - Festival. Viele Wegbegleiter und Freunde wird man dort treffen und auch mich und weil man so ein Ereignis nicht alleine stehen lassen kann, sind fürs Jubiläumsjahr noch ein paar Überraschungen geplant. Also seit gespannt.

+++ 23.07.2019 +++

Die! Die! Die! - Die! Die! Die! have announced their new EP, 'O'

Their first release in a couple of years finds bassist Lachlan Anderson return to the fold after eight years away. Recorded in just one afternoon, the EP exudes urgency and marks a return to earlier form. The guitars jolt and scratch, sharp treble explosions that crackle like fire. They’re choppy and cut across the rhythm section at blurred, oblique angles, fraying the edges as they side and scrape skewiff and frenetic. The rhythm section pins it all together tight, but it’s attacking, relentlessly kinetic and propulsive, driving, and simultaneously solid and agile.

‘These songs find the band much more raw and harsh than they have sounded in years. Maybe it’s something personal or maybe it’s because the world is on fire’, writes Nate Holdren in his enthusiastic text which accompanies the release. It’s true: New Zealand may not be the place most directly feeling the pain of Trump or Brexit or now Johnson, but it’s clear it’s no place to be. In fact, the bottom line is that there simply is no place to be right now, with rapidly accelerating climate change and, quite simply everything. We’re all doomed. But while we’re all screwed, at least we still have art and music.

‘Casualties of Decades’ slams in hard by way of an opener, machine gun drumming driving a stop/start riff attack that’s a blend of Shellac, Fugazi, and Trail of Dead. ‘What We Choose to Remember’ is also reminiscent of Shellac, the minimal lyrics half-spoken, half shouted, and half buried beneath angular guitar blasts and a throbbing bass that’s less of a groove than a hammer assault. It’s the bass that dominates ‘Everyone Else’ and hold the whole blustering, blistering racket together. ‘Break the Mirror’ rams it home in a blistering minute and 23 seconds, a full-tilt stuttering frenzy of (post)punk noise that goes hell for leather in a scream of feedback.

This is the sound of a band rejuvenated, reinvigorated, a band bursting with energy, passion, and fury. There’s no shortage of things to fuel fury in the world now, and I’m certainly not the only one with a vast thirst for music which channels that fury and frustration.

+++ 01.07.2019 +++

Gewalt - Gewalt nominiert für VIA Award 2019

Wie redet man darüber ohne ungerecht zu sein? Ich habe 2012 die Goldene Indieaxt erhalten und sehe das nach wie vor als eine Würdigung meiner Arbeit. Damals haben 4 Leute aus der Geschäftsleitung des VUT beschlossen, das ich sie für meine Arbeit und meine Einstellung verdient habe.
Jetzt gibt es die VIA Awards und die Axt wurde in abgewandelter Art eine weitere Form der Interessenvertretung in Politik und Gesellschaft . Ich muss nicht extra erwähnen, das es meiner Meinung nach andere Mittel gibt Staatsbeamte und Politiker zu würdigen. Nundenn, zurück zum VIA Award. Es gibt 4 verschieden Kategorien in der eine Jury bestehend aus 250 musikwirtschaftlich Werktätigen ihrer Meinung nach herausragende Leistungen vorschlagen können. Das es bei diesen Votings zu einer Häufung der immer gleichen Künstler und Labels kommt, sehe ich persönlich mittlerweile als Bankrotterklärung der Jury an. Dieses war auch der Grund, das ich diese 2018 verlassen habe. Speziell kennen die meisten da anscheinend nur 5 Vertreter der einzelnen Sparten. Schade! Ein anderes und für mich größeres Problem sehe ich aber in dem selbstgewählten Sachverhalt der Übernahme der Merlin Definition für Independent. Diese Definition erlaubt es alle Indiekünstler und Labels, welche über Major Label vertrieben werden, als Independent gewertet zu werden. Dieser Trick dient einzig und allein Statistiken zu verbessern und somit vielleicht bessere wirtschaftliche Argumente in der Politik zu erhalten. Was dabei billigend in Kauf genommen wird, ist der Umstand der Verwässerung der Positionierung als Gegenkultur. Das dieses geschieht, sieht man an den zahlreichen Nominierungen von "Major Label Künstlern".
Eine kleine Ausnahme bildet die Kategorie Newcomer. Hier können alle Mitglieder des VUT abstimmen und das macht zum einen die Liste etwas spannender, zum anderen kann man in der Longlist unbekannte Perlen entdecken. Gewalt wurden nun in dieser Kategorie nominiert und das freut mich natürlich. Auf der anderen Seite lindert es nicht meine Angst der entgültigen Akkulturation von Subkultur.
Wie es ausgeht liegt in unserer Hand. Und dieser kurze Text soll helfen sich dieser Problematik zu nähern und eine Aufforderung sein gemeinsam Gegenstrategien zu entwickeln.